Rohbau im Split-Level

Eines unserer Projekte ist ein Split-Level Reihenhaus. Split-Level bedeutet, der Grundriß besteht aus Halbgeschoßen. Eine Geschoßebene geht nicht über die gesamt Grundfläche, sondern ein Teil ist üblicherweise um die halbe Geschoßhöhe versetzt. Diese Bauform war in den 70er-Jahren beliebt. Angewandt wir diese Bauweise bei einem geringen Geländeversprung, wenn z.B. der Garten um 1-1,5m tiefer liegt. Bei unserem Bauvorhaben war die Bauform vorgeschieben. Entgegen der Meinung vieler finde ich diese Bauweise durchaus attraktiv. Gerade kleine Grundflächen können großzügiger wirken im Split-Level-System. Zugegebenermaßen läuft man öfter Treppe, insgesamt aber haben diese Häuser nicht eine Stufe mehr Treppe als ein konventionelles Haus. Behindertengerecht ist anders, aber vielleicht als Prävention für die Gesunden ideal. Irgendwo habe ich gelesen, wer jeden Tag 8 Treppen auf- und abläuft hat schon eine Bewegungsminimum erreicht. Bekanntlich stärkt jeden Treppe Herz und Kreislauf.

Von Vorteil ist aber, in unserem Grundriß kann man über eine halbe Treppe, also ca. 7 Steigungen Eingang, Küche-Essen sowie Bad und Schlafzimmer erreichen. Wer also krank ist muß für den täglichen Betrieb gerade mal ein halbes Geschoß überwinden und steckt nicht im OG fest. Alles hat – zum Glück – seine zwei Seiten.

Probleme wirft diese Bauweise auf, wenn der Geschoßsprung in einer Fassade sich darstellt. Üblicherweise aber findet der Sprung in der Tiefe des Gebäudes statt. Bei unserem Reihenmittelhausprojekt verschwindet der Sprung in der Haustrennwand.

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In den beiden obigen Fotos sieht man den Geschoßversprung im Rohbau. Im rechten Bild erkennt man das Kellerfenster, im linken Bild schaut man von oberhalb der Kellerdecke in das Wohnzimmer. Der Garten ist also ein halbes Geschoß unter dem Straßenniveau.

PichuraConsult - Mauerriss2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man lernt als Architekt im Projekt auch immer dazu: Bei genauerer Begutachtung der angrenzenden Gebäude die schon erstellt wurden, hat sich beim Nachbarn ein Mauerriß gezeigt. Er geht fast vom Keller bis ins Dach. Grundsätzlich ist er statisch unkritisch, kann aber zu Putzrissen an der Innenwand führen. Wo kommt er her? Er kommt aus der Split-Level-Bauweise. In den Fotos oben sieht man oben links und unten rechts jeweils die Geschoßdecken. Diese sind auch mit Mauerstein verblendet, darum sind sie nicht so auffällig. Da das Mauerwerk aber zwischen den beiden Ebenen durchgemauert ist, gibt es – sobald sich die Geschoßdecken setzen – Risse, die sich an den Versprüngen der Geschoßdecken darstellen.

PichuraConsult - Zusätzliche Bewehrung

Wir waren schon am Mauern der Kellerwände. Nach Rücksprache mit dem Statiker, ob man dieses Problem umgehen kann, haben wir uns dafür entschieden, aus der jeweiligen Geschoßdecke Bewehrungseisen in die Lagerfuge des Mauerwerks laufen zu lassen. Im Foto ein kleiner roter horizontaler Strich. Der Mauerstein wurde auf der Unterseite etwas ausgehöhlt, die beiden Stahstähle satt ins Mörtenbett gelegt. Die Idee dahinter ist, den Versprung der Geschoßebenen nicht alle in der selben vertikalen Linie enden zu lassen, sondern die Verzahnung der Geschoßdecken horizontal sich überschneiden zu lassen. Ob diese Sofortmaßnahme auf der Baustelle langfristig funktioniert, muß die Zeit zeigen.

 

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