Ludwigshafen Decks? Leider nicht… / Unfortunately not…

rheingallerie-ludwigshafen6.jpg

Quelle: Webcam

Am Ludwigshafener Rheinufer schreiten die Arbeiten für das ECE-Shopping Centre „Rhein-Galerie“ voran. Mittlerweile ist die äußere Form im Rohbau fertiggestellt. Der langestrecke durch ein Stahlträger-Dach bekrönte Bau liegt unmittelbar am Rheinufer zwischen den beiden Ludwigshafen und Mannheim verbindende Brücken Konrad-Adenauer- und Kurt-Schumacher-Brücke. Shopping Centre-Betreiber sind gern gesehene Gäste bei Stadtverwaltungen, denn die Verhandlungen und Einweihungen heben das Ego der Stadtväter gewaltig. Für die Bürger springt dabei meist nicht sowiel heraus, außer Einheitskonsum für Einheitskonsumenten. Aber von dieser grundsätzlichen Diskussion einmal abgesehen, sind die städtebauliche Aspekte eines jeden Einzelprojektes von großer Bedeutung.

rheingalerie-ludwigshafen2.jpg

Quelle: Google-Earth

Im Falle Ludwigshafen war die Möglichkeit entstanden, den nicht mehr benötigten Containerhafen unmittelbar zwischen Innenstadt und Rhein (oben, roter Bereich) mit einer Nachnutzung zu versehen. Das lobenswerte Ziel, die Innenstadt erstmals an das Rheinufer anzubinden, war dabei die Prämisse. Wie im Entwurf des Centre-Betreibers ECE (unten) zu sehen, wurde eine Passierbarkeit des Rheinufers entlang des Centres sowie ein Stadtplatz am südlichen Ende vereinbart.

rheingalerie-ludwigshafen3.jpg

Quelle: ECE (Link siehe unten)

All dies ist begrüßenswert; was mich allerdings zur Kritik veranlaßt, ist die Organisation sowie sonstige städtebauliche Ein- bzw. Anbindung des Shopping-Centres. Ich denke die Stadt Ludwigshafen hat sich keinen Gefallen getan und wieder mal eine große Chance verpaßt. Wie die Illustration der ECE, unten, zeigt, nennt sich das Centre zwar Rhein-Galerie und ist auch an diesem gelegen, unterbindet aber jegliche Bezugnahme. An der Uferseite sind nur sehr kleine und wenige Öffnungen des Centres vorgesehen und eine direkter Blickkontakt ist nicht erwünscht. Lediglich ein kleiner Zugang sowie die Notausgänge wenden sich dem Namensgeber zu. Die Innenraumdarstellung könnte überall sein. Von der eigentlichen Lagequalität ist nichts zu erkennen. Wiedereinmal ein isoliertes selbstbezogenes Shopping-Centre ohne Bezug und Identität. Jeder wird mit 80%iger Sicherheit auch die zukünftigen Mieter schon zu diesem Zeitpunkt benennen können.

rheingalerie-ludwigshafen4.jpgrheingallerie-ludwigshafen5.jpg

Quelle: ECE (Link siehe unten)

ECE betreibt bereits das Rathaus-Centre in unmittelbarer Nähe des Neubaus.  Dieses krankt am selben Phänomen, wie es die Rhein-Galerie wieder neu erschafft: dem Abschneiden von städtebaulichen Bezügen und der Selbstbezogenheit des Inneren. Wie die Grundrisse der Rhein-Galerie zeigen, kann man am zentralen Eingang im Süden hineingehen, bis zum Ende, dem Ankermieter, durchgehen und muß in der der gleichen isolierten Röhre wieder zurücklaufen. An Sonn- und Feiertagen bleibt die Röhre einfach zu, und das Rheinufer neben dem Bau verwahrlost. Wo sollte man auch hingehen?

odaiba-decks1.jpg

Quelle: Odaiba-Decks

Wie man es besser macht, wenn Fachleute einbezogen werden, zeigt Odaiba Decks in der Bucht von Tokio. Hier liegt eine ganz  ähnliche Situation vor: Uferrand mit rückwärtiger, stark befahrener Straße. Odaiba Decks nimmt die Qualität der Lage im Gegensatz zur Rhein-Galerie auf und nutzt diese zur Erlebnis- und damit auch Umsatzsteigerung. Wie der Name Decks sagt, ist in Odaiba das Shopping-Centre mit verschiedenen Deckebenen zum Ufer hin abgetreppt. Dies ermöglicht tolle Aussichten, eine direkte Orientierung zum Ufer, das Promenieren auf verschiedenen Ebenenen sowie beispielsweise Außengastronomie, die eine völlig andere Qualität hat als die innenorientierte Einheitsgastronomie der Rhein-Galerie. Wer würde nicht gerne an einen sonnigen Tag in einer Gastronomie auf Ebene 3 über dem Rhein sitzen und das Treiben auf den Decks darunter beobachten? Eine solche Gastronomie ist auch an Feiertagen unabhängig von den anderen Ladengeschäfte von außen her, den Decks, zu betreiben.

odaiba-decks2.jpg

Ein lebhaftes Bild wie unten – bei ECE nicht vorgesehen.

odaiba-decks3.jpg

Quelle: Odaiba-Decks

Die Decks-Struktur würde auch eine Durchgängigkeit zu der dringend der Aufwertung bedürfenden Innenstadt ermöglichen. Die blauen Pfeile unten zeigen die eigentlich notwendige Anbindung der Stadt an das Rheinufer auf. Der linke Pfeil würde übrigens die Verknüpfung zum Rathhaus-Centre (ebenfalls ECE) herstellen. Mit beispielsweise einer Dreiteilung der Rhein-Galerie könnten Blickbeziehungen zum Fluß aufgebaut werden. Und selbst bei Einteiligkeit könnten Fußgängerbrücken über die viel befahrene Rheinuferstraße einen Zugang zu den oberen Decks ermöglichen, und somit auch außerhalb der Öffnungszeiten den Bürgern ein Stück ihres Rheinufers zugänglich machen. Zudem funktionieren längenorientierte Einkaufsstraßen nur vernüftig, wenn es am Anfang und Ende eine sinnvolle Anknüpfung gibt. Eine Shopping-Centre-Sackgasse kann dies nie erzeugen.

decks-ludwigshafen.jpg

Die Rhein-Galerie von ECE vergibt eine große Chance für die Stadt Ludwigshafen. Sie wird als Bauträger-Projekt realisiert: eine Gelegenheit wahrnehmend. Projektentwicklung, die das Grundstück verdient hätte, ist dagegen etwas gänzlich anderes: Projektentwicklung entwickelt Örtlichkeiten. Sie deckt neu Potentiale eines Standorts auf und erzeugt städtebauliche oder architektonische Qualität – zum Nutzen aller. Das Bauträgergeschäft dagegen nutzt lediglich eine Gelegenheit zur Umsatzerzeugung. Optimierung ist dabei nie das Ziel. Leider ist weder von Seiten der Stadt Ludwigshafen eine Projektentwicklung eingefordert worden, noch hatte bei der Rhein-Galerie die ECE sich zum Ziel gesetzt, über das Bauträgerprojekt hinausgehend eine richtige Projektentwicklung für das Gelände zu initiieren.

Quellen und Infos: ECE, Stadt Ludwigshafen

Flattr this!

1 Comment - Leave a comment
  1. Alex sagt:

    Wer das nun realisierte Gebäude besichtigt hat, wird kaum noch etwas von den Computeranimationen wiederfinden. Der Innenraum ist nicht nach oben offen und die Ebenen sind kaum geschwungen wie die Bilder suggerieren. Von der freundlich blauen Nachtbeleuchtung und der rheinseitigen Bepflanzung ist auch nichts verhanden. Ich wundere mich immer, daß die Mieter, die exorbitant hohe sowie langfristige Mieten abschließen müssen, sich so über den Tisch ziehen lassen und nicht die (wahrscheinlich) vereinbarten Leistungen einfordern. Aber die ewig-gleichen, langweiligen Läden der Shopping-Centres werden sowieso in irgenwelchen fernen Städten identitätslos verwaltet.

Schreibe einen Kommentar