Energieeffizientes Bauen – Teil 1

Ich möchte in einer Folge von Beiträgen unsere Position zum Thema energieeffizientes Bauen entwickeln. Es ist ein äußerst wichtiges Thema und berührt unsere Arbeit in mindestens 3 Dimensionen unmittelbar: Einerseits durch gesetzliche Vorschriften und Nachweise die wir zu führen haben, andererseits durch Kundenwünsche nach geringen Nutzungskosten und drittens, (leider auch)  in unserer entwerferischen Freiheit.

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Wir als Architeken müssen uns in enorm steigendem Umfang mit energetischen Aspekten von Bauwerken beschäftigen. Nachdem die Gesetzgeber insbesondere die CO2-Einsparung zum wichtigen Ziel bestimmt haben und gleichzeitig überproportional steigende Energiekosten zum wichtigen Kostenfaktor geworden sind, muß man schon zu Beginn energetische Aspekte bein Gebäudeentwurf berücksichtigen. Ganz erheblichen Einfluß auf die Architektur hat dabei die Kubatur, also die grobe Form eines Baukörpers. In den Berechnungen zu den energetischen Nachweisen für Bauantrag bzw. finanziellen Förderungen ist das A/V-Verhältnis, also das Verhältnis von Außenfläche zu Volumen eines Gebäudes, eine zentrale Kenngröße. Je geringer die Außenfläche, desto geringer der Energieverlust über die Gebäudehülle. Aus energetischer Sicht ist eine Kugel ideal, sie hat maximales Volumen bei minimaler Oberfläche; aber auch ein gleichseitiger Würfel wäre für ein Gebäude ein Ideal. Leider schränken diese energetischen Ideale die Architektur sehr ein. Wer Bauwerke in kühlen Regionen mit den in warmen vergleicht, wird schnell einen sehr beschränkten Formenkanon gegenüber warmen Regionen feststellen. Lebhafte, gegliederte Fassaden sind, und werden (leider) immer seltener bei uns. Jeder Vorsprung, Gliederung etc. kann zu Energieverlusten führen.

Für uns waren die energetischen Aspekte immer sehr wichtig, wenn auch nicht das absolut prioritäre Ziel. Aus diesem Grund haben wir schon seit langem die zum berechnen des energetischen Niveaus nötige Software. Im Wohnungsbau erstellen wir immer EnEV-/KfW-Nachweise selbst. Nur bei sehr komplexen Sachverhalten müssen wir einen spezialisierten Energieberater hinzuziehen.

Wie man zu energieeffizienten Gebäuden kommt, dafür gibt es verschiedene Wege. Der eine, ist den gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen. Diese werden immer schärfer – die nächste Stufe wird 2012/3 erwartet – aber mit diesem Vorgehen schöpft man nicht die Möglichkeiten aus. Ein weiterer Weg sind Baustandards nach Anforderungen der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), die sogenannten Effizienzhäuser. Dieser Weg hat den Vorteil, in den Genuß finanzieller Förderung zu kommen. Des weiteren gibt es verschieden Energiespar-Bauweisen. Die sicherlich bekannteste ist das Passivhaus, aber auf dem Markt geistern viele weitere Labes herum, die nicht immer zu niedrigeren Energiekosten führen. Viele Haushersteller kreieren eigene Begriffe welche energieeffizienz darstellen sollen, leider aber nicht vergleichbar sind.

Bei den KfW-Programmen hat es in den letzten Jahren eine konzeptionelle Änderung gegeben, die uns fürchterlich stört. Und zwar hat sich die Terminologie und die Berechnungsverfahren geändert – zum Nachteil der Verbraucher und der Markttransparenz. Die alte, vielen sicherlich bekannte Terminologie war ‚KfW-40-Haus‘ oder ‚KfW-60-Haus‘ beispielsweise. Die neue Terminologie ist ‚KfW Effizienhaus 70′ oder ’55‘ zum Beispiel. Hört sich ähnlich an. Die auffällig geänderten Zahlenwerte könnte man als Problem vermuten, sie sind es aber nicht. Problem ist, daß das ‚KfW-Haus‘ einen absoluten Verbrauchswert ausgedrückt hat. Also, ein KfW-60-Haus‘ hat einen maximalen Primärenergie-Verbrauch von 60 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter Nutzfläche. Vorteil ist, ich kann Angebote, die als KfW-Häuser berechnet wurden, vergleichen. Es ist einfach zu verstehen, daß ein ‚KfW-60-Haus‘ mehr verbraucht als ein ‚KfW-40-Haus‘. Wenn ich zwei KfW-60-Häuser vergleiche weiß der Käufer, beide haben gleichen (sehr ähnlichen) Energieverbrauch und ich kann mich für den besseren Grundriß, Ausstattung, Preis oder Anbieter entscheiden.

Das ‚KfW-Energieeffizienzhaus‘ hingegen beschreibt einen relativen Verbrauchswert. Ein ‚Energieeffizienzhaus 55‘ beispielsweise beschreibt ein Haus, welches nur maximal 55% des Primärenergiebedarfs und maximal 70% Transmissionswärmeverlust (Verlust an Energie durch die Gebäudehülle) gegenüber dem Referenzgebäude hat. Alles verstanden? Das wichtigstes hierbei ist, die Sache mit dem Refernzgebäude zu verstehen. Dabei berechnet man das geplante Haus mit der geplanten Ausstattung. Parallel dazu berechnen die Computerprogramme die gleiche Kubatur, also im Prinzip das gleiche Haus mit einer Standard-Ausstattung; Standard-Ausstattung in Bezug auf die Heizungsanlage und die Dämmung der Gebäudehülle. Also statt der Wärmepumpe die Sie vielleicht einbauen wollen, wird das Referenzgebäude nur mit einer Gas-Brennwerttherme kalkuliert. Statt 14cm Wärmedämmplatten auf der Fassade nur mit einer Standard-Ziegelwand. Das so parallel ermittelte Referezgebäude beschreibt nun den Minimal-Standard, damit das Gebäude überhaupt genehmigungsfähig ist. Das ‚Effizienhaus‘ muß dann wie oben beschrieben entsprechend besser sein. Problem ist hierbei, daß man im Markt verscheidenen ‚Effizienzhäuser‘ nicht vergleichen kann. Auch Verbessungsschritte über die Jahre lassen sich nicht darstellen. Was Standard ist kann und wird sich ändern. Wäre man bei der ‚KfW-Haus‘-Terminologie geblieben, wäre in 10 Jahren vielleicht der Standard ‚KfW-Haus-30. Dann hätte jeder Marktteilnehmer gewußt, ich bin 10 Kilowattstunden besser als das ‚KfW-40-Haus‘ das 10 Jahre alt ist. Ein ‚Effizienhaus 70‘ von heute ist wesentlich schlechter als ein ‚Effizienhaus‘ welches in 3 Jahren genehmigt wird, weil sich der Referenz-Standard wahrscheinlich geändert hat (falls die Terminologie bleibt).

Also, es passiert leider viel Unsinn, der den Verbrauchern nicht unbedingt hilft. Für einen Vergleich der tatsächlich anfallenden Verbrauchswerte braucht der Laie einen Fachmann – naürlich können wir so etwas für den Wohnungsbau übernehmen. Aber Markttransparenz ist leider verloren gegangen, zumal grundsätzlich alle Energieverbrauchsberechungen mit Vorsicht zu genießen sind. Leicht veränderte Randbedingungen (Innenraumtemperatur, Außentemperatur, Materialien, Kubatur, Nutzerverhalten etc.) sowie verschiedene Berechnungssoftware können zu erheblichen Abweichungen führen. Selbst innerhalb einer Software kann man zwei verschiedene Berechnungswege wählen, basierend auf 2 verschiedenen DIN-Vorschriften, die zu ziehmlich unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Das nächste mal möchte ich unseren Weg zum energieeffizienten Bauen darlegen, und welchen Weg wir warum bevorzugen.

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