Energieeffizientes Bauen – Teil 2

Im letzten Beitragsteil habe ich kurz ein paar wichtige Randbedingen zusammengefaßt, die das energieeffiziente Bauen betreffen. Diesemal möchte ich einen möglichen Weg zur Energieeffizienz bzw. zu niedrigen Heizkosten aufzeigen, den wir für besonders sinnvoll erachten.

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Ganz grundsätzlich muß man sagen, daß viele Wege zum Ziel Energieeffizienz führen, daß Planer, Hersteller und Nutzer sowie die Gesetzgeber permanent kräftig dazulernen. Viele Wege sind noch keiner Langzeitbetrachtung unterzogen worden, und die grundsätzliche Herausforderung des Bauens bleiben weiterhin erhalten: Bauen ist immer ein individueller und von seinen Randbedingungen nicht vergleichbarer Vorgang. Die meisten Häuser werden einmalig gefertigt, mit immer wechselnden Beteiligten unter immer veränderten Bedingungen. Bauherr, Planer, Handwerker, Materialien, Ort, Witterung etc. ändern sich bei jedem Projekt; ganz anders als bei den meisten industriell gefertigten Produkten die wir sonst erstehen. Selbst Fertighäuser sind meist einmalig in ihrer Konfiguration, werden von ständig wechselnden Handwerkern and völlig unterschiedlichen Standorten zu anderen Zeitpunkten errichtet. Hierin liegt die Komplexität des Bauen. Darum sind auch Themen wie Energieverbrauch sehr individuell zu beurteilen und Langzeitbetrachtungen können trotz gleicher Auslegung stark variieren.

Vom Generellen wieder zum Konkreten: Grundsätzlich der sinnvollste Weg ist es ein Haus zu bauen, welches möglichst wenig Energie verbraucht. Was muß man dazu tun? An erster Stelle die Gebäudehülle bestmöglich dämmen, die Kubatur kompakt halten und die Energieverbraucher im Haus minimieren. Diesen Weg geht das Passivhaus. Passivhaus bedeutet stark vereinfacht, daß keine ‚aktive‘ Heizung notwendig ist, weil das Haus sehr gut gedämmt ist. Allerdings ist eine ‚passive‘ Heizung trotzdem nötig, und in Wahrheit ist diese Heizung garnicht so passive wie suggeriert. Passivhäuser werden mit Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung ausgestattet die üblicherweise an eine Wärmepumpe gekoppelt ist. Durch das Lüften gehen durchschnittlich ca. 15% der Heizenergie verloren. Die Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung können theoretisch max. bis über 90% der Wärmeenergie zurückgewinnen, in Realität dürfte dieser Wert aber deutlich niedriger liegen. Die Rückgewinnungsrate hängt von Temeperaturdifferenz, Temperatur und natürlich Technik etc. ab. Leider reicht die vorhandene Heizenergie nicht aus, es muß insbesondere bei Extremwettern zugeheizt werden. Da Passivhäuser keine Heizflächen haben, sondern nur die Lüftungsanlage genutzt werden kann, wird meist elektrisch nachgeheizt. Eine raumweise individuelle Temperierung ist zudem sehr schwierig. Außerdem sollte in der Heizzeit nicht über die Fenster gelüftet werden. Dieses Nutzerverhalten muß erst erlernt werden und fällt vielen schwer. Die potentielle Krankheitsquelle Lüftungsanlage/Lüftungskanäle wird noch viele Optimierungsrunden durchlaufen müssen. Grundsätzlich ist aber der Ansatz des Passivhauses richtig, die Dämmung zu optimieren.

Sonnenhaus-Institut

Für bestimmte Situationen finden wir aber einen anderen Ansatz besonders interessant: das sogenannte Sonnenhaus. Das Sonnenhaus ist stark vereinfacht ein Haus,  welches die Sonnenenergie so extensiv nutzt, daß ein Energieüberschuß die meiste Zeit erzeugt wird und somit ein freieres Nutzerverhalten möglich wird. Stichwort Fensterlüftung. Sonnenhäuser sind Häuser, die mindestens 50% des Wärmebedarfs über eine Solarthermieanlage erzeugen und in einem großen Speicher versuchen möglichst lange zu speichern. Eine Biomasse Zusatzheizung ergänzt die Anlage und füttert den Speicher bei langer Sonnenarmut. Die Vorteile sind folgende:

– Eine Studie hat herausgefunden, daß in der CO2-Bilanz Sonnenhäuser langfristig besser abschneiden als beispielsweise Passivhäuser. Passivhäuser mit ihren Wärmepumpen brauchen teuren und CO2-erzeugenden Strom.

Schema Sonnenhaus Quelle: Sonnenhaus-Institut e.V.

– Sonnenhäuser  nutzen die effizientesten Energieerzeugung die der Mensch erfunden hat. Eine Solarthermieanlage kann bis zu 300-mal mehr Energie erzeugen, als sie verbraucht. Von einem Automotor werden manche wissen, daß man da von Wirkungsgrden um die 30% spricht. Keine andere Art wird je ähnlich einfach und effizient sein wie die Solarthermie. Die Technik ist sehr einfach und milliardenfach seit Jahrhunderten erprobt.

– Sonnenhäuser schränken das Nutzerverhalten nicht ein. Jeder Raum hat eine Heizfläche und kann individuell temperiert werden. Fensterlüften jederzeit möglich. Zur Zeit werden nur ca. 30% der Sonnenhäuser auch mit einer Lüftungsanlage geplant.

– Eine fast vollständige Autarkie ist theoretisch möglich. Wie bei allen Systemen ist dies aber nicht wirtschaftlich anzustreben.

– Meist werden Sonnenhäuser mit einem Scheitholzofen / Kachelofen / Holzvergaserofen kombiniert. Nutzerstudien zeigen, daß nur ca. 3-6-mal in der Heizperiode die Zusatzheitzung befeuert werden muß; mit Holz, was als nachwachsender Rohstoff zu jeder Zeit am einfachsten zu bekommen sein wird. Viele Bauherren wünschen sich einen Biomasseofen, wegen der schönen Atmosphäre die ein kontrolliertes Feuer erzeugt und wegen der angenehmen Strahlungswärme. In vielen sehr gut gedämmten Häusern sind solche Öfen aber ohne Anschluß an einen Wärmespeicher kontraproduktiv. Sie erzeugen zuviel Strahlungswärme, was das Haus überhitzt.

– Sonnenhaus bedeutet, eine gute Wärmedämmung und eine große Investition in die Heiztechnik (Solarthermiemodule, sehr großer Speicher, Zusatzheizung, Heizflächen). Definitiv wird die Erstinvestition deutlich höher als bei alternativen Energiesparhäusern sein. Die CO2-Bilanz ist aber langfristig am günstigsten, die einfache Technik bewährt und der Energiegewinn am größten.

Später erläutern wir weiteres zum Sonnenhaus; das soll es ersteinmal zum Verdauen gewesen sein. Weitere Infos zum Sonnenhaus direkt von uns oder beim Sonnenhaus-Institut, in dem wir natürlich Mitglied sind.

Pichura Consult - Mitglied im Sonnenhaus-Institut

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